Dienstag, 26. Januar 2021

Ich bin Linus

 Allgemeines

Titel: Ich bin Linus
Autor: Linus Giese
Seitenanzahl: 224
Preis: 15,00€
Verlag: Rowohlt 

Klappentext

Ein Satz, der wie eine Selbstverständlichkeit klingt – «Ich bin Linus» –, doch er teilt sein Leben in ein Davor und Danach. Auf beeindruckende Weise erzählt Linus Giese, warum er einunddreißig Jahre alt werden musste, um laut auszusprechen, dass er ein Mann und trans ist und warum sein Leben heute vielleicht nicht einfacher, aber sehr viel glücklicher ist.

Meine Meinung

Ich habe das Buch schon öfter gesehen und jedes Mal habe ich mir eine mentale Notiz gemacht, dass ich das Buch auch noch lesen möchte. Jetzt endlich bin ich dazu gekommen, da wir uns "Ich bin Linus" als Januar-Buchclub Buch ausgesucht haben. 
Ich habe bisher erst ein Buch über das Thema trans gelesen: Endlich Ben. Da mich das schon begeistert hat, war ich sehr gespannt, auch etwas über die Geschichte von Linus zu erfahren. 

Linus spricht in diesem Buch ganz offen von seinen Erfahrungen während seiner Transition. Ein Wort, das ich erst durch dieses Buch gelernt habe. Transition bezeichnet den Wandel zur richtigen Identität. Dass dieser Weg für viele mit Schwierigkeiten verbunden ist, kann man sich wohl denken. Linus musste so viel Hass von fremden Menschen erfahren, sei es im Internet, am Arbeitsplatz oder sogar vor seiner eigenen Wohnung. Er konnte sich nie richtig sicher fühlen und dieses Gefühl lässt ihn bis heute nicht ganz los. Man merkt ihm an, wie prägend seine Vergangenheit war, denn er schreibt selbst, dass er viele Gedanken und Glaubenssätze mittlerweile so verinnerlicht hat, dass es schwer ist, sie wieder loszulassen. 

Trotzdem sieht er es als seine Aufgabe über dieses Thema aufzuklären und somit auch anderen Menschen, die das gleiche erfahren, zu helfen. Er meint in seinem Buch, dass er das Buch geschrieben hat, das er sich als Jugendlicher gewünscht hätte. 

Ich bin Linus ist eine tolle Mischung von Informationen, die weitergegeben werden. Zum einen hilft es vielen trans Menschen zu lernen, Erfahrungen von anderen zu hören und zu merken, dass sie okay sind, wie sie sind. Es hilft aber auch LeserInnen, die noch gar nicht so viel über das Thema Transgender wissen. Während Ben in Endlich Ben hauptsächlich von seiner Erfahrung berichtet, bezieht Linus mehr allgemeine Themen mit ein, wie zum Beispiel die richtigen Formulierungen, die Frage, wie man unterstützend handeln kann oder auch seine Kritik am Gendern. 

Es war von Seite 1 an super interessant und ich habe wieder viel Neues gelernt. Ich glaube, jede/r kann sich bei diesem Thema weiterbilden und ich denke, es ist wichtig, dass wir es tun :)
Eine große Leseempfehlung von mir.




Montag, 18. Januar 2021

Deutschland verdummt

  Allgemeines


Titel: Deutschland verdummt
Autor: Michael Winterhoff
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Seitenanzahl: 224
Preis: 20,00€

Klappentext

Bildung in Deutschland: eine Katastrophe. Kinder und Gesellschaft nehmen Schaden! Michael Winterhoff redet Klartext, zeigt anhand vieler Beispiele aus seiner langjährigen Praxis als Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch aus zahlreichen Rückmeldungen zu seinen Büchern und Vorträgen, was heute in Kitas und Schulen falsch läuft – so falsch, dass in seinen Augen die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet ist. Leidtragende sind für ihn die Kinder, die man quasi sich selbst überlässt. Winterhoff verharrt nicht bei der Bestandsaufnahme und Analyse, er zeigt konkrete Lösungen und Maßnahmen auf und fordert u.a. eine groß angelegte Bildungsoffensive: Weg von Kompetenzorientierung und den unfreiwillig zu Lernbegleitern degradierten Lehrern, hin zu echter Bildung und Pädagogen, die den Kindern wieder ein Gegenüber sein dürfen. Denn nur die Orientierung an Bezugspersonen ermöglicht die Entwicklung von emotionaler und sozialer Psyche.

Meine Meinung

Ein Buch, das mich auf den ersten Blick interessierte. Die Thematik hörte sich sehr spannend an und da ich selbst in den letzten Monaten öfter mit anderen über das Schulsystem gesprochen habe, war ich neugierig, was Herr Winterhoff hier zu sagen hat.

Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen. Es ließ sich sehr flüssig lesen, es war leicht verständlich und er hat die Problematik prägnant deutlich gemacht. Die Kapitelunterteilung fand ich gut gewählt, jedes Kapitel deckt ein anderes Thema ab. Während es in einem um die Lehrer geht, geht es in einem anderen eher um die Eltern. Es wurden wirklich viele verschiedene Aspekte erklärt, an denen den Autor festmacht, dass dieses freie, autonome Lernen nicht das ist, was Kinder wirklich brauchen. 

Er kritisiert die Bildungspolitik und wo sie derzeit hinausläuft. Ich fand seine Ansichten sehr spannend, da ich selbst dachte, dass dieses autonome Lernen zum Teil wirklich eine tolle Möglichkeit ist, um die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. 

Ich habe also viel Neues erfahren und gelernt und habe meine Sicht auf einige Aspekte, die die Schule betreffen auch geändert oder hinterfragt. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir vieles in dem Buch etwas zu überspitzt dargestellt wurde. Der Autor zieht verschiedene Beispiele zur Verdeutlichung hinzu, bei einigen hatte ich aber das Gefühl, dass es sich dabei wirklich um Einzelfälle handelt und nicht stellvertretend für alle Schulen gelten kann. 
Außerdem kommt es mir nicht so vor, als würden die LehrerInnen in den meisten Schulen in den Hintergrund treten, damit das autonome Lernen gefördert werden kann. Vielleicht probieren das einige Schulen aus, aber ist das wirklich so in vielen Fällen?
Ich fand es etwas schwer, seine Kritikpunkte zu bewerten, da ich selbst ja nicht weiß, wie die aktuelle Lage in den Schulen ist. 

Leider ist mir auch der Schlussteil, in dem er dann konkret Verbesserungsvorschläge gemacht hat, etwas zu kurz gekommen. Da hätte ich mir gewünscht, dass er die genannten Punkte etwas weiter ausführt. 
Insgesamt ein gutes, informatives Buch, in dem man sicher einiges neues lernen kann. Vielleicht auch gerade für diejenigen interessant, die selbst in diesem Berufszweig tätig sind.



Die unbequeme Wahrheit

 Allgemeines

Titel: Die unbequeme Wahrheit - Rede zur Lage unserer Nation
Autor: Gabor Steingart
Verlag: Penguin
Seitenanzahl: 208
Preis: 16,00€

Klappentext

Corona ist mittlerweile nur ein anderes Wort für Ausrede. Gabor Steingart hat eine persönliche Rede verfasst, die uns die Augen öffnet für die Erschöpfungszustände im produktiven Kern unserer Volkswirtschaft. Die unbequeme Wahrheit hinter den billionenschweren Konjunkturprogrammen handelt von ökonomischer Erstarrung, prekären Arbeitsverhältnissen und sozialer Spaltung in Deutschland. Alles wird beklagt, aber nichts bekämpft. Europa greift zu den synthetischen Drogen der Geldschöpfung, auch um den Schmerz des Epochenwandels nicht zu spüren. Die politisch Verantwortlichen konservieren unterm Rettungsschirm die Welt von gestern. An der Schwelle von der Industrie- zur Digitalgesellschaft hat Deutschland von Pionier auf Follower umgeschaltet – mit gravierenden Folgen für unseren Wohlstand. Doch es gibt Alternativen zur Verzweiflung und Steingart benennt sie. Digitalisierung, Globalisierung und Klimaschutz bilden das magische Dreieck der bevorstehenden Transformation


Meine Meinung

Ich war sehr gespannt auf das Buch. Mich interessiert es, was verschiedene Leute zu der Corona Lage zu sagen haben, wie sie denken, dass das Leben "danach" weitergehen wird. 
Dieses Buch erschien mir aufgrund der doch eher wenigen Seiten sehr kompakt, ich dachte also, der Autor würde seine Argumente auf den Punkt bringen. 

Leider bin ich aber wegen seines Schreibstils nicht wirklich in das Buch reingekommen und es fiel mir schwer, mich auf seine Punkte zu konzentrieren. Immer wieder spricht er seine Leserschaft mit "Mein Freund, meine Freundin" an, was mir an dieser Stelle irgendwie unangebracht vorkam. Auf der einen Seite möchte er eine Nähe herstellen und auf der anderen Seite kritisiert er eher distanziert so gut wie alles, was gerade so in Deutschland läuft.

Ein Buch, durch das ich eher Zukunftsängste entwickelt habe, als neugierig und motiviert in die Zukunft zu schauen. Und ist nicht gerade das, was er sich von den Menschen wünscht?

Sein Schreibstil war sehr bildhaft, allerdings waren die Bilder oft so gewählt, dass ich sie nicht verstanden habe, bzw. dass sie sich mir nicht erschlossen haben. Es blieb zu abstrakt, man musste zu viel interpretieren. Mir haben vor allem die positiven Aspekte gefehlt oder aber die Verbesserungsvorschläge, wie man denn die Situation in Zukunft handhaben sollte. 

Insgesamt ein Buch, das mir einfach kein Spaß gemacht hat zu lesen. Nicht unbedingt vom Inhalt her, denn es waren durchaus einige schlaue und interessante Gedanken dabei. In erster Linie ist der Schreibstil des Autors Grund meiner Kritik. 
Leider kann ich es nicht weiterempfehlen...




Dienstag, 12. Januar 2021

Code Kaputt: Macht und Dekadenz im Silicon

 Allgemeines

Titel: Code Kaputt: Macht und Dekadenz im Silicon
Autor: Anna Wiener
Seitenanzahl: 320
Preis: 18,00€
Verlag: Knaur


Klappentext

Mit Mitte zwanzig ist Anna Wiener Teil der New Yorker Literaturszene am Ende der Nullerjahre: viele Träume und wenig Geld. Als sie zufällig einen Job bei einem Startup bekommt, steht ihr Leben plötzlich Kopf. Sie stürzt sich in den digitalen Goldrausch an der Westküste, arbeitet am Aufstieg des Hightech-Kapitalismus mit und gerät so immer tiefer in die digitale Parallelwelt des Silicon Valley. Aber je länger sie die schöne neue Startup-Welt miterlebt, desto klarer wird ihr: Im Zentrum der globalen Disruption stehen keine Ideale, sondern Hybris, Risikokapital und eine übersteigerte Männlichkeit.


Meine Meinung

Code Kaputt ist ein Buch, das mich direkt angesprochen hat, als ich es das erste mal gesehen habe. Ich habe schon ein mal ein Buch über das Silicon Valley gelesen, das ich auch sehr spannend fand. Aber hier nochmal mehr über die Themen Digitalisierung, Start-Ups, Macht und Disruption aus den Augen einer Frau zu erfahren, hat mich interessiert. 

In dem Buch erzählt uns die Autorin von ihrer "Reise" ins Silicon Valley. Sie bewirbt sich bei einem Start-Up und schon das Bewerbungsgespräch verläuft komplett anders, als sie erwartet hat. Sie berichtet von ihrem ersten Treffen, wie anders alles lief. Die Gründer des Start-Ups waren ungewohnt locker drauf. Auch wenn sie sich anfangs etwas fehl am Platz fühlt, lässt sie das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein, nicht mehr los. Sie opfert sich mehr und mehr für diesen Job auf, lernt dazu, merkt aber nach und nach, dass es einige Dinge gibt, die sie eigentlich nicht gutheißen kann und unterstützen will. Sie merkt, dass sie als Frau anders gesehen wird, als all ihre männlichen Kollegen. 

Je mehr Zeit sie mit den hauptsächlich männlichen Kollegen verbringt, desto deutlicher merkt sie, was sie an dem ganzen Umfeld stört. Uns erzählt sie von dieses Erfahrungen, von ihren Gefühlen des Hin- und Hergerissenseins. 
Man merkt, dass sie sich selbst nicht ganz sicher ist, wo ihr Platz ist und wo sie hin will. Auf der einen Seite möchte sie diesen Lebensstil aufrecht erhalten können, auf der anderen Seite wünscht sie sich mehr im Leben, als nur auf Zahlen und Profit achten zu müssen. 

Ich fand es zum einen wahnsinnig spannend, ihren Bericht zu lesen. Schockiert von einigen Themen, die sie anspricht, fiel es mir leicht an dem Buch dranzubleiben. 
Trotzdem gab es einige Längen, die nicht hätten sein müssen. 
Irgendwann wechselt sie ihren Job und ein paar Dinge wiederholen sich. Es war auf jeden Fall ein gutes Buch, das über viele Facetten des berüchtigten Silicon Valley berichtet und aufklärt. 
Als Must-Read würde ich es aber nicht bezeichnen :)





Montag, 4. Januar 2021

Darius der Große fühlt sich klein


 Allgemeines
Titel: Darius der Große fühlt sich klein
Autor: Adib Khorram
Seitenanzahl: 336
Preis: 12,99€
Verlag: Lago

Klappentext

Darius weiß mehr über die Gepflogenheiten von Hobbits als über persische Traditionen. Doch sein erster Besuch im Iran wird sein Leben verändern.
Der depressive Teenager ist sich sicher, dass er dort genauso wenig dazugehören wird wie in den USA. Doch dann trifft er den Nachbarsjungen Sohrab. Von nun an verbringen sie die Tage gemeinsam, essen Faloodeh oder reden stundenlang an ihrem Rückzugsort über den Dächern von Yazd.
Gemeinsam mit Sohrab lernt Darius nicht nur die persische Kultur besser kennen, sondern vor allem sich selbst.

Dieses Buch ist für jeden, der sich manchmal verloren fühlt – denn man kann sich wiederfinden.


Meine Meinung

Ich bin so froh, dass ich auf dieses Buch aufmerksam gemacht wurde, denn ich hätte es mir wahrscheinlich nicht näher angeschaut. Das wäre wirklich schade gewesen, da dieses Buch etwas wirklich ganz besonderes ist. 

Es geht um Darius, der in der Schule nicht wirklich Freunde hat. Generell läuft in seinem Leben einiges eher unschön ab. Nach einem Anruf reist Darius mit seiner Familie in den Iran, um seine Verwandte zu besuchen. Dort trifft er auf den Nachbarsjungen Sohrab und die beiden verbringen viel Zeit miteinander, was Darius hilft, sich in dem fremden Land wohler zu fühlen. 

Da nur Darius Mutter mit der Kultur wirklich vertraut ist, ist diese Reise für Darius, seine Schwester und seinen Vater eine größere Herausforderung, da sie die Sprache nicht gut können und auch die Familie nicht kennen. Aber sie strengen sich an, das beste aus diesen Wochen zu machen und jeder fügt sich auf die ein oder andere Art in die Familie ein.

Mir hat es unglaublich gut gefallen, dass hier die persische Kultur aufgegriffen wurde. Sie spielt nicht nur nebensächlich eine Rolle, sondern sie ist ein großer Bestandteil des Buches und man lernt als LeserIn wirklich etwas über die Traditionen, die Feste und auch die Sprache. Da ich bisher noch fast keine Berührungspunkte mit dieser Kultur und dem Leben dort hatte, war es umso spannender, einen Einblick zu bekommen. 

Aber auch die Handlung war einfach nur toll. Darius war ein ganz besonderer Charakter und obwohl er mit einigen Umständen zu hadern hat, ist er ein lebensfroher und offener Mensch, auch wenn es manchmal nicht so wirkt. Er entwickelt sich auf dieser Reise in das Heimatland seiner Mutter enorm weiter, er lernt viel über seine Vorfahren und über sich und mir hat es wirklich tolle Stunden bereitet, ihn auf dieser Reise zu begleiten.

Darius muss sich mit einige familiären Problemen auseinandersetzen und letztendlich tut es der ganzen Familie gut, mal aus dem Alltag in Amerika rauszukommen. Die Atmosphäre in dem Buch hat mich voll und ganz in den Bann gezogen. Sobald ich das Buch aufschlug, hatte ich das Gefühl ebenfalls im Iran zu sein. 

Ich habe es wirklich geliebt, es war ein ganz außergewöhnliches Jugendbuch, das aber wirklich für alle Altersklassen geeignet ist :) Große Empfehlung.